Die Werke

Johannes Brahms

Johannes Brahms wird am 7. Mai 1833 in Hamburg geboren und verstirbt am 3. April 1897 in Wien.

Brahms ist Pianist und Orchesterdirigent. Als Komponist arbeitet er mit allen Genres (außer der Oper). Den größten Anteil hat dabei jedoch die Vokalmusik. Brahms gilt als Erbe von Beethoven, Schubert, Mozart und Schütz. Sein Stil ist stark von Melodien geprägt, die an das deutsche Volkslied erinnern (Arrangements von 76 Volksliedern).

In seinen zahlreichen Liedern verarbeitet Brahms seine Gefühle und Stimmungen, während er in seinen Symphonien die Konflikte und Widersprüche zwischen dem politischen Konservatismus und einem tiefgreifenden Humanismus ausdrückt. So gibt er auch dem Text von Hölderlin im Schicksalslied musikalisch eine hoffnungsvolle und tröstliche Wendung.

Das Schicksalslied, geschrieben von Friedrich Hölderlin, erinnert an die im deutsch-französischen Krieg gefallenen Soldaten.
Wie schon im Deutschen Requiem würdigt der Komponist auch in diesem Werk jede einzelne Stimmlage des Chors. In der Komposition erkennt man seine ältere Handschrift, zum Beispiel an der von Chorälen bekannten Homorhythmik der Stimmen, aber auch die Tiefe der Harmonien des 19. Jahrhunderts.
Das Werk zeigt sehr kontrastreiche Züge, ist erst sehr friedlich, bevor es lebendiger und immer intensiver wird.

 DAS SCHICKSALSLIED
op. 54, veröffentlicht 1871

Friedrich HÖLDERLIN (1770-1843)

Ihr wandelt droben im Licht
Auf weichem Boden, selige Genien!
Glänzende Götterlüfte
Rühren euch leicht,
Wie die Finger der Künstlerin
Heilige Saiten. 

Schicksallos, wie der schlafende
Säugling, atmen die Himmlischen;
Keusch bewahrt
In bescheidener Knospe,
Blühet ewig
Ihnen der Geist,
Und die seligen Augen
Blicken in stiller
Ewiger Klarheit. 

Doch uns ist gegeben,
Auf keiner Stätte zu ruhn;
Es schwinden, es fallen
Die leidenden Menschen
Blindlings von einer
Stunde zur andern,
Wie Wasser von Klippe
Zu Klippe geworfen,
Jahr lang ins Ungewisse hinab.

Camille Saint-Saëns

Camille Saint-Saëns wird am 9. Oktober 1835 in Paris geboren und verstirbt am 16. Dezember 1921 in Alger.

Camille Saint-Saëns hat ein langes Leben. Er komponiert ab seinem fünften Lebensjahr und bleibt Musiker bis zu seinem Tod. Zunächst wird ihm als Verfechter von Berlioz, Liszt und Wagner nachgesagt, er habe einen revolutionären Charakter. Später wird seine Musik als rückständig eingestuft. Seine Chorkompositionen sind sehr zahlreich und verteilen sich auf mehr als 60 Jahre. Heute sind sehr viele davon in Vergessenheit geraten. Die Zeit zwischen 1870 und 1880 ist geprägt von seinen großen Werken, Opern, Symphonien, Instrumentalkonzerten und Singspielen. Camille Saint-Saëns ist neugierig und schreibt über Philosophie, Astronomie und Poesie. Außerdem reist er viel, vor allem nach Nordamerika. Sein Humor zeigt sich im Karneval der Tiere. Mit dem Motto „Kunst heißt Form“ vertritt er eine bestimmte Auffassung der musikalischen Ästhetik Frankreichs. 1871 gründet er die französische Vereinigung „Société nationale de musique“, die junge Komponisten unterstützt. Fauré und Messager sind seine Schüler, Rossini, Viardot und Bizet seine Freunde.

Requiem

Unter der Vielzahl der komponierten Requiems ist das Requiem von Saint-Saëns zwischen den Werken von Berlioz und Fauré (seinem Schüler) einzuordnen.

Saint-Saëns entführt uns sowohl in dramatische Sphären, wie bei dem Dialog zwischen Solisten und Chor im Rex Tremendae, als auch in die sehr meditativen und klaren Sphären von Hostias und Benedictus. Die Ausdrucksstärke des Requiems nimmt uns gefangen wie die Lyrik einer Oper. Saint-Saëns hat die Gabe, Melodien mit sehr vielschichtigen Harmonien zu schreiben, die uns bewegen. Ein Beispiel dafür ist das einzigartige Agnus Dei, bei dem zunächst das Orchester mit den Solisten einsetzt und dann der Chor übernimmt.